Baumpflege, das heißt in erster Linie das Schneiden von Bäumen, wird notwendig, wenn die Interessen der Menschen durch Bäume beeinträchtigt werden. Im Vordergrund stehen dabei Überlegungen der Sicherheit, es soll vermieden werden, dass durch einen Baum Menschen zu Schaden kommen, sei es durch herabfallende Äste oder Stammstücke, sei es durch Bruch des Baumes oder gar sein Umkippen. Je nach Kenntnisstand und Größe der Besorgnis wird dann dem Baum zu Leibe gerückt.

Aus Sicht der Bäume ist diese Pflege nicht notwendig. Es gibt Bäume schon wesentlich länger als Menschen auf dem Erdball, sie haben eine lange Entwicklung durchlaufen und sich an viele Bedingungen angepasst - selbst das Auseinanderbrechen von Bäumen oder ihr Umkippen bedeutet nicht das Ende - gerade Laubbäume sind in der Lage, wieder auszutreiben, weiterzuleben. Selbst Pioniergehölze und Weichholzarten (Weide, Pappel, Birke und andere) könnten lange leben, wenn es nach ihnen ginge. Werden sie zu groß, werden Lasten zu groß für abtragende Baumteile, dann bricht eben etwas aus dem Baum heraus. Ob es dem Baum egal ist, ist nicht bekannt, aber er kann durchaus weiterexistieren. Solch ein Verhalten ist natürlich mit den menschlichen Sicherheitsempfindungen nicht vereinbar, da durch herabfallende Bäume oder Teile von ihnen erhebliche Gefahren und Gefährdungen ausgehen.

Diesen Hintergrund sollte man stets berücksichtigen, wenn es darum geht, Bäume und Maßnahmen an ihnen zu beurteilen - es ist immer das Interesse der Menschen, an dem Baum etwas zu unternehmen, ihn zu beschneiden, damit er entweder sicher ist oder unseren Formvorstellungen entspricht bzw. in irgendwelche baulichen Situationen noch hineinpasst, denn missen wollen wir die Bäume nicht in unserer Umgebung.

Am besten für den Baum ist es, wenn nicht eingegriffen wird in seinen Haushalt, seine Umgebung und seine Gestalt - und wenn eingegriffen werden muss, dann sollte es so geschehen, dass die Maßnahmen kaum sichtbar sind. Darin zeigt sich auch die Kunst der guten Baumpflege, so zu schneiden, dass es zum jeweiligen Baum passt und nicht weiter auffällt.

Darin wiederum liegt die Schwierigkeit, Beispiele für gute Baumpflege aufzuspüren, weil sie nicht so ins Auge springt wie die Negativbeispiele, die leider auch weiter verbreitet sind - gute Baumpflege kann meist nur derjenige ausführen, der über eine entsprechende Ausbildung verfügt, während jeder, der eine Säge führen kann, auch am Baum seine Spuren hinterlassen kann - und der nicht ausgebildete Teil der Baumbeschneider ist weitaus größer als der Anteil der speziell dafür ausgebildeten Menschen.

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